Lampertheimer Zeitung vom 6. März 2019

Von Meike Paul

Interessenvertreter besprechen mit Fachanwalt Möglichkeit einer Klage gegen die Bahn

LAMPERTHEIM. Unterstützung – seitens der Stadt mit all ihren politischen Farben, seitens des Kreises, seitens der Vereine und seitens einzelner Privatpersonen – ist den Anwohnern und Bauern definitiv sicher. Gemeinsam will man auch weiterhin an einem Strang ziehen und mit allen nur denkbar möglichen Maßnahmen gegen den Bau der C-Trasse  und gegen die Zerschneidung des Waldes und der Felder bei Lorsch und Neuschloß vorgehen. Das sicherten nun Landrat Christian Engelhardt, Bürgermeister Gottfried Störmer und der Lampertheimer SPD-Fraktionsvorsitzende Marius Schmidt stellvertretend für die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung zu.
Der Lichterzug vergangene Woche war da erst der Anfang. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Lampertheimer Bürgerinitiative (Bila), der Politik, des Bauernverbandes und Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke galt es nun, Möglichkeiten zu besprechen, um den Bau erfolgreich zu verzögern und die Verantwortlichen zu einer Konsens-Trasse zu überreden.

Es wird ein langwieriges Unterfangen, aber Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke rechnet mit großen Erfolgschancen. Wichtig sei aber in jedem Fall eine Kräftebündelung, das stellte der erfahrene Rechtsbeistand klar. „Schädliche Umweltentwicklungen – also beispielsweise gesundheitsgefährdender Bahnlärm, vor allem in der Nacht – muss dokumentiert werden und kann schlagendes Argument sein.“ In Sachen Artenschutz und Biotop-Verwaltung gelte zu klären, ob seltene Arten umgesiedelt werden können. „Geschützte Tiere und Pflanzen haben natürlich Priorität und können Baumaßnahmen stoppen. Hier empfiehlt es sich, Gutachter zu engagieren“, so der Anwalt. Auch hochwertige Böden, im Ried also der kostbare Sand, könnten einen Vorteil verschaffen. Den Politikern empfahl er, öffentliche Petitionen zu starten und Argumente im Verkehrsausschuss zu sammeln. „Die Unterschriften der Abgeordneten aus unserer Region sind uns sicher“, betonte Christian Engelhardt. Der Landrat versicherte, die Bahn auf regionale Bedürfnisse aufmerksam machen zu wollen und dabei vor allem die Bauern und die Wirtschaft, aber auch die Infrastruktur und die Wohnkultur zu verteidigen. „Was jetzt geplant wird, ist bei Fertigstellung eigentlich schon längst überholt. Auch das müssen wir bedenken“, gab Ulrich Guldner von der Bürgerinitiative zu verstehen. „Die Prognose des Güterzugverkehrs unterschätzt die Verkehrssteigerung nach 2030“, bestätigte Rechtsanwalt Meinecke. In der Praxis bedeute das den Zwang zu geschlossenen Schlafraumfenstern und einer eingeschränkten Nutzung des Außenwohnbereichs. Neben einem Bürger- und Dialogforum sollten Einwendungen im Raumordnungs- , dem Planfeststellungsverfahren und ein Eilantrag gegen Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit angestrebt werden. Auf Bitte des SPD-Fraktionsvorsitzenden Marius Schmidt versprach Bürgermeister Gottfried Störmer den Anwesenden, vor allem aber dem Bauernverbands-Vorsitzenden Gerd Knecht, alle Punkte zu prüfen und in eine der nächsten Stadtverordnetenversammlungen einzubringen. „Wir Bauern sind auf Ihre Unterstützung angewiesen und hoffen, dass wir gemeinsam etwas erreichen“, erklärte Willi Billau. „Wir dürfen keinen Quadratmeter Ackerland verlieren, sonst wird es wirklich schwierig mit der Landwirtschaft in Lampertheim.“

BÜRGERINITIATIVE

von pam

Als im Jahr 2009 bekannt wurde, dass die Bahn darüber nachdenkt, eine zweigleisige Zugtrasse quer über die Lampertheimer Gemarkung zu bauen, hat sich die Bürgerinitiative gegründet. Die Bila will mit vereinten Kräften und Unterstützung der Bürger den Bau der vom Transportunternehmen favorisierten Variante C der Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim, ab Lorsch schräg durch den Lampertheimer Wald, direkt am Lampertheimer Stadtteil Neuschloß sowie den Wohngebieten Europaring und Rosenstock vorbei, verhindern. Eine Zerschneidung der landwirtschaftliche Fläche soll damit ebenfalls vermieden werden.

© Lampertheimer Zeitung, Montag, 06.03.2019